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Jahresablauf
Im Reich Dorlónien wird seit Alters her der Götterlauf in zwölf Monde zu achtundzwanzig bis dreißig Tagen unterteilt.

Der Mond des Wolfes ist der dritte Wintermond, doch beginnt mit ihm das Jahr, so dass er als erster Mond gezählt wird, wie in anderen Ländern der Januar.

Als vierter Wintermond gilt der Mond des Schneelöwen, der nicht nur wegen des Freudentages unseres Reichsherrn ein besonderer Mond ist, sondern auch wegen der geringen Anzahl an Tagen, wie man es aus anderen Ländern vom Februar gewohnt ist.

Der Mond des Bären ist der fünfte Wintermond und der dritte Mond des Jahres, der von anderen Völkern März genannt ward.

Als erster Mond des Frühjahrs ist der Mond des Luchses bekannt, der aber das Erblühen nicht zur Gänze bringt, sondern immer wieder mit Winterwetter aufwartet, wie man es anderswo vom April gewohnt ist.

In all seiner Pracht erblüht denn das Land im Mond des Fuchses, welcher auch Wonnemond genannt ward, wie in anderen Völkern der Mai. Er ist der zweite Mond des Frühjahres, welcher in Dorlónien nur kurz ist, aber die Pflanzen schnell zur Blüte bringt.

Mit dem Mond des Greifen beginnt der Sommer, und die Temperaturen steigen auch im hohen Norden der bekannten Welt, wie man es von den dortigen Klimazonen gewohnt ist und wie man es auch in anderen Ländern für den Juni nicht anders erwartet.

Der zweite Sommermond wird Mond der Schlange genannt, denn solche Tiere sind nur selten bei kalter Witterung im Freien zu sehen. In anderen Ländern spricht man zu dieser Zeit des Jahres vom Juli.

Der Mond des Falken, in anderen Regionen der Welt August genannt, ist der dritte und letzte Mond des kurzen Sommers hier im Lande Dorlónien, wo man nun langsam beginnt, sich auf den kommenden Winter nach einem meist stürmischen Herbst vorzubereiten.

Mit dem Mond des Dachses bricht der Herbst über das Land herein. Die Temperaturen sinken spürbar, und die Tage werden in der Folge kürzer, wie sich die Nächte immer stärker in die Länge ziehen. In diesem Mond, welcher bei anderen Völkern September genannt wird, mag es noch ein paar warme Tage geben, doch die Farbenpracht der Wälder kündet schon vom bevorstehenden Ende des Jahres.

Im zehnten Mond des Jahres, dem zweiten Herbstmond, welcher in weiter Ferne auch Oktober genannt wird, fallen oft schon die ersten Schneeflocken, die mehr als eine Nacht überdauern. Im Mond des Iltis bereitet sich das Land während einer Zeit von Sturm und Regen auf den harten Winter vor.

Der Mond des Keilers gilt als erster Wintermond, denn nun liegt schon eine geschlossene Schneedecke über dem Land, die erst im Frühjahr, nach fünf langen Monden, wieder aufreißen wird. Damit beginnt mit diesem Mond, der in anderen Ländern als November bezeichnet wird, die Zeit, in der Väterchen Frost das Land beherrschen wird.

Das Jahr mit seinen zwölf Monden endet mit dem Mond des Eislaurers, welcher als einziger Mond ein wenig göttergefälliges Tier im Namen führt. Wie es dazu kam, ist in den vergangenen Zeitaltern in Vergessenheit geraten, doch man mag vermuten, dass es daran liegt, dass dieses Tier in jenem Mond, der woanders Dezember geheißen wird, die meisten Opfer findet.

© Text: Hagen Hoppe | Foto: Eugen Haug / Pixelio