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Die innere Ordnung der Kirchen ... PDF Drucken E-Mail
Innere Ordnung der Kirchen
... am Beispiel der Vashankakirche

Wie die Götter den Völkergeschlechtern übergeordnet sind und Respekt und Liebe verdienen, wie die Götter sich uns annehmen und für uns sorgen, so ist es auch Recht, dass eine dieser Bindung gleiche Form von Respekt und Liebe und Beistand auf der einen und Verantwortung und Gerechtigkeit und Sorge auf der anderen Seite auch im Leben der Völker existiert. Sei es in der Familie, in der die Eltern Verantwortung für ihre Kinder übernehmen und für sie sorgen, und die Kinder ihre Eltern lieben und ihnen in Zeiten der Not beistehen, oder in der Gesellschaft, in der das Volk seine Herrscher respektiert und ihnen zur Seite steht, und die Herrscher sich ihrer Verantwortung gewahr sind, dass sie für das Volk zu sorgen und gerecht zu herrschen haben. Dies ist die göttliche Ordnung auf der Welt.

Eine Ordnung, welche sich auch in dem Aufbau der Kirchen des Reiches widerspiegelt. Eine Ordnung, welche sich dem Chaos als Nährboden des Zwielichts widersetzt und diesem entgegensteht. Eine Ordnung, der sich jeder unterwirft, der seiner Berufung zum Klerus folgt und sein Leben in den Dienst an einem der Götter stellen will.

Normalerweise beginnt man im Alter von sechs Jahren sein Noviziat in einem der Klöster, welche die Zentren der Gelehrsamkeit des Glaubens unserer Zeit darstellen. Anders als die Tempel, die im ganzen Land verteilt die Versammlungsorte der Gläubigen darstellen, sind die Klöster und Abteien nur für die Angehörigen der Kirchen oder ausgewählte Gäste zugänglich. In der Abgeschiedenheit des Glaubens, in der für die Vertiefung in sich selbst und seiner Verbindung zu den Göttern erforderlichen Stille, wird der Novize von der Ordensgemeinschaft geprüft und prüft sich selbst, ob er geeignet ist und sich selbst für geeignet hält, sein Leben mit der praktischen und theoretischen Ausübung des Glaubens zu verbringen.

Im Noviziat, das mit der ersten Einkleidung beginnt, lernt der Novize das Leben in der Gemeinschaft und der kirchlichen Ordnung kennen, wie auch die Regeln der Kirche und des Ordens. Er nimmt Anteil an dem gemeinschaftlichen Leben, in dem er gemäß seiner Reife entsprechende Aufgaben übernehmen muss. In diesen Jahren erhält er darüber hinaus Unterricht in den grundlegenden Wissensfertigkeiten, der Geschichtskunde und den Glaubensgrundsätzen in ihren theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen. Das beinhaltet auch die Liturgien und Gebete, zu denen in der Vashankakirche auch der Kampf zählt.

Dieser Lebensabschnitt endet im Alter von etwa achtzehn bis zwanzig Lenzen mit dem Profess, dem Ablegen des Kirchen- und Ordensgelübdes. Der Profess wird erst nach Prüfung der Reife des Novizen auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin abgelegt und symbolisiert damit auch den festen Willen, sein Leben den Göttern zu widmen. Von diesem Moment an zählt man als Ordensbruder oder Ordensschwester zum festen Bestandteil des Klerus. Je nach Geschlecht lautet nun die rechte Ansprache - insbesondere untereinander - "Bruder" oder "Schwester". Der Profess ist auch der Zeitpunkt, an dem sich der Kleriker für einen Weg innerhalb des Glaubens entscheidet.

Die erste Entscheidung für den Weg zum Klerus ist die Berufung zum Dienst für die Götter. Die zweite Entscheidung ist die, welchem Gott die größte Hingabe gilt. Die dritte Entscheidung ist der Weg innerhalb des Glaubens, die mit dem Profess getroffen wird. Dies beinhaltet den Aspekt des Gottes, dem man sich fortan in erster Linie widmen wird. Beraten durch die Ordensbrüder, entscheidet sich der Novize kurz vor seinem Gelübde für die Aufgabe, der er sich fortan mit Lerneifer zuwenden wird. In der Kirche Vashankas sind dies unter anderem die Wege des Schlachtenwüters, des Blutvogts oder des Totenvogts.

Es beginnt eine Zeit des Lernens, in der man sich als Ordensbruder oder Ordensschwester auf diese Aufgabe in der Ausübung des Glaubens vorbereitet. Diese Zeit der Lehre innerhalb der Kirche endet mit dem Geistlichen Gelübde, nach dem der Götterdiener den Rang eines Geistlichen seiner Kirche erhält. Fortan darf er auch alleine das Kloster verlassen und auf Reisen gehen - Reisen zur Stärkung und Praktizierung des Glaubens, die auch zur Vervollkommnung der eigenen Fähigkeiten von den meisten Klöstern und Abteien gefördert werden.

Der Rang des Geistlichen bildet in allen Kirchen das Gros des Klerus. Männer und Frauen des Glaubens, die sich an dem Platz mit ihren Talenten, Begabungen und Fertigkeiten für die Götter einsetzen, an die sie das Leben gestellt hat. Wie die Gläubigen das Fundament der Kirchen sind, so sind die Geistlichen das Rückgrat, und ihr Dienst ist nicht minder anzusehen als die Tätigkeit jener, welche die Weihe empfangen haben.

Geübt in der Anwendung des Glaubens, nach eigener Willensbekundung und sorgfältiger Abwägung durch die Oberen von Kirche und Orden, geprüft durch den Gott selbst, legt ein Geistlicher seine Weihe zum Priester ab. Fortan ist es ihm, der nun je nach Geschlecht den Titel "Pater" oder "Mater" führt, erlaubt, eine Gemeinde zu leiten, den Vorsitz bei Gericht zu übernehmen, Truppen der Kirche zu kommandieren und höhere Kirchenämter zu übernehmen.

Zu diesen Kirchenämtern zählen zuvörderst jene, welche zur Leitung und Verwaltung der Klöster selbst erforderlich sind. Die Leitung eines großen Ordenshauses, einer Abtei, obliegt einem Abt oder einer Äbtissin, welche als Stellvertreter einen Prior oder eine Priorin an ihrer Seite haben. Die kleineren Klöster werden von einem Prior oder einer Priorin allein verwaltet. Diese Vorsteher der abgeschiedenen Häuser des Klerus üben als örtlich höchste Vertreter der Kirchenobrigkeit, direkt dem Oberhaupt des Ordens oder der Kirche zu Rechenschaft und Gehorsam verpflichtet, die oberste Gewalt in ihren Häusern aus. Ihre Aufgaben umfassen auch die Verwaltung des Klostervermögens, die Leitung des Klosters und die Disziplin der Angehörigen.

Unterstützt wird der Abt und der Prior von dem Celleral, dem Rektor und dem Guardian. Der Celleral kümmert sich um die wirtschaftlichen Belange des Klosters, seine Vorratshaltung und Bewirtschaftung und unterstützt bei der Verwaltung des Klostervermögens. Der Rektor zeichnet sich für das Noviziat und damit die Ausbildung der Novizen im Rahmen der Regeln und Traditionen des Glaubens verantwortlich. Dem Guardian obliegt die Sicherheit des Klosters und seine Verteidigung, wie auch die Ausbildung in den kämpferischen Tugenden.

Mit dem Amt des Abtes gleichzusetzen ist der Titel des Tempelherrn. Jener ward ebenfalls direkt von dem Oberhaupt des Ordens oder der Kirche eingesetzt, und ihm obliegt die Leitung eines Tempels und die Betreuung seiner Gemeinde. Bei größeren Gemeinden wird er durch einen Probst als seinen Stellvertreter unterstützt, zuweilen auch durch weitere Geistliche für die täglich anfallenden Arbeiten.

Die Äbte und die Tempelherrn sind es, die einen Sitz im Kirchenrat innehaben, welcher dem Oberhaupt der Kirche und, auf den Ordensrat bezogen den Oberhäuptern der Orden, beratend zur Seite steht. Aus ihrer Mitte ward auch durch göttlichen Ratsschluss das Oberhaupt des Ordens und der Kirche bestimmt.

Die Kirche Vashankas besteht aus drei Orden: dem Orden des Blutes, dem Orden der Offenbarungen und dem Orden der Schlacht. Der Titel des "Blutwahrers" ist dem Oberhaupt des Ordens des Blutes zugedacht, der des "Blutlehrers" für das Oberhaupt des Ordens der Offenbarungen und der des "Blutwüters" für das Oberhaupt des Ordens der Schlacht. Das Oberhaupt der Vashankakirche selbst, also in heutiger Zeit meine Person, trägt den Titel des Blutrichters. Jeder von ihnen erhält sein Amt durch eine Willensbekundung Vashankas im gegenseitigen Kampf, und nur durch Vashanka selbst werden sie wieder von ihrem Amt abberufen.

Dies ist die göttliche Ordnung, wie sie in den Kirchen organisiert ist und gelebt wird. Jedoch ist nicht jedes Leben von jungem Alter an auf einen Dienst an den Göttern ausgerichtet. Nicht immer ist schon in jungen Jahren die Neigung zum Dienst erkennbar, und oft sind es Ereignisse im Leben, die Gläubige zum Entschluss kommen lassen, dem Leib der Kirchen zugehörig zu sein. Dies sind die Laien und die Spätberufenen.

Im Sprachgebrauch der Kirchen sind die Laien jene Gläubige, die sich für einen Dienst an den Göttern entscheiden, jedoch nicht dem Klerus angehören. Der Dienst ist meist zeitlich oder in seiner täglichen Intensität begrenzt, wodurch auch keine Zugehörigkeit zum Klerus angestrebt wird. Es sind Menschen aus der Gemeinschaft der Gläubigen, die oft einige Zeit in einem der Klöster verbringen, um aufgrund von persönlichen Erlebnissen ihren Glauben tiefer zu begreifen und zu stärken, um danach in ihre Berufe zurückzukehren, doch als Laie eine enge Bindung zur Kirche und zu den Göttern beizubehalten.

Auch die Spätberufenen haben, wie die Laien, durch ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse den Weg zu einem tieferen Verständnis des Glaubens gefunden und sind beseelt von dem Willen, ihr Leben in den Dienst der Götter zu stellen. Im Gegensatz zu den Laien streben sie aber eine Zugehörigkeit zum Klerus an. Sie durchlaufen das Spätnoviziat, in dem ihr Glaube geprüft wird und sie in grundlegendem Wissen unterwiesen werden. Angesichts des bisherigen Lebensweges des Novizen und seiner Reife obliegt es dann dem Vorsteher des Hauses, die Entscheidung über den Zeitpunkt des Profess zu entscheiden. Meist ist das Glaubensgelübde durch die Vorbildung der Spätberufenen mit ihrer Erhebung in den Stand des Geistlichen verbunden.

wortgenaue Mitschrift einer Erläuterung von Blutrichter Bargud Schwarzhuf im Jahre 11 n.NO im Rahmen einer Einweisung der Novizen des Ordens der Schlacht im Tempel von Rotweiler
© Text: Hagen Hoppe | Foto: Nicole / Pixelio