Wissenswertes
Mein Vater war ein Dieb, ein Halsabschneider und ein Schurke. Kurz nach meiner Geburt verließ er mich und meine Mutter, die von dem Tag an alleine für mich sorgen musste. Als Schankmaid und Wäscherin hatten wir es nie zu Wohlstand gebracht, konnten aber wenigstens jeden Abend in einem warmen Bett schlafen.
Als ich groß genug wurde, musste ich in der Schänke, in der meine Mutter arbeitete, mit anpacken. Der Wirt, ein Mann Namens Kroll, hatte Gefallen an meiner Mutter gefunden und uns bei sich aufgenommen. Später erfuhr ich, dass sie dafür das Bett mit ihm teilen musste. So half ich in der Küche und musste jeden Abend, nachdem die letzten Betrunkenen nach Hause gewankt waren, die Schankstube für den nächsten Tag wieder auf Vordermann bringen. Und dann kam der Tag, der mein Leben verändern sollte. Es fing wie ein gewöhnlicher Abend in der Schänke an. Die Gäste waren die selben Gesichter wie fast jeden Abend, die versuchten, ihren Sorgen oder ihren Frauen, und manchmal war es das gleiche, im Suff zu entkommen. Doch einen Gast hatte ich noch nie zuvor gesehen. Er saß alleine an einem Tisch in der Ecke des Schankraums in der Nähe des Feuers und warf finstere Blicke durch den Raum. Mehr als einmal streifte sein Blick meine Mutter, die wie jeden Abend die Bierkrüge an die Gäste verteilte. Sein Blick wurde immer bohrender, und als meine Mutter ein weiteres Bier an seinen Tisch brachte, packte er zu und wollte sie auf seinen Schoß ziehen. Meine Mutter versuchte, aus seinem Griff zu entkommen, konnte sich aber nicht aus seiner Umklammerung befreien. Außer mir vor Zorn sprang ich vor, um meiner Mutter zu Hilfe zu eilen. In meiner Hand befand sich das hastig gegriffene Küchenmesser. Als mich der Mann näher kommen sah, sprang er auf und schlug seinen Mantel zurück. Blitzschnell zog er ein kurzes Schwert aus seinem Gürtel und sprang mir entgegen. Dabei stieß er meine Mutter von sich. Wie in Trance musste ich mit ansehen, wie sie haltlos auf den Kamin mit dem Feuer zustürzte. Im selben Moment spürte ich einen brennenden Schmerz, als das Schwert des Mannes in meine Schulter drang. Ab diesem Zeitpunkt verlieren sich meine Erinnerungen in Schmerz und Hitze. Ich sah nur noch Kroll an mir vorbeihasten und sah, wie einige der Gäste versuchten, sich auf den Fremden zu stürzen...
Als ich wieder zu mir kam, lag ich rußverschmiert und mit zahlreichen blutenden Wunden in der Gosse vor der Schänke, die nun hell in Flammen stand und aus der sich nur wenige retten konnten. Meine Mutter und Kroll kamen nicht aus den Flammen...
Alles, was wir jemals besessen hatten, wurde ein Opfer der Flammen. Mein Leben hätte wohl auch in dieser Nacht enden sollen, so war mein erster klarer Gedanke, den ich fassen konnte.
Nachdem ich einige Wochen bei einem Bauern, der regelmäßig Gast in der Schänke war, meine Wunden kurieren konnte, kam eines Tags ein Soldat auf den Hof, der alle kampftauglichen Männer den Dienst in der Miliz der Mark Herrnhein befahl... |